Holger Schneider

Sinologie

Lehrstuhl für Sinologie
Artilleriestraße 70
91052 Erlangen

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Projektbeschreibung

Textuelle Repräsentation und grammatisches Wissen (Arbeitstitel)

Das Dissertationsprojekt »Textuelle Repräsentation und grammatisches Wissen« befasst sich mit Zeugnissen chinesischer Sprachreflexion aus der mit Prädikaten der Rationalität und systematischen Methodik beschriebenen Zeit der südlichen Song- (1127-1279) und Yuan-Dynastien (1268-1368). Annahme ist, dass in Diagrammen dieser Epoche ein implizites Wissen um die Funktionsweise von Sprache zum Ausdruck kommt, dem eine tiefere formale Reflexion vorangegangen sein muss, als bisher angenommen wurde. Bisherige sinologische Forschung konzentrierte sich, neben der Beschreibung des Chinesischen mit Konzepten westlicher Linguistik und Logik, weitestgehend auf die indigenen phonologischen, lexikalischen Zeugnisse in Kommentaren und traditioneller Lexikografie, in der Sprachwissen repräsentiert wird.

Die Forschungsfrage besteht in der Abklärung der Grundlagen einer Verifikation oder Relativierung der einhelligen Meinung, das traditionelle China habe niemals eine explizite Grammatik hervorgebracht. Exemplarisch werden hierfür drei traditionelle Techniken der Textanalyse am konkreten Beispiel betrachtet: i) Die dushufa, wörtl. »Anleitung zum richtigen Lesen«: ein wichtiges Genre und Zwischenstück aus Bibliografie, Lesekalender und mnemotechnischer Anleitung. ii) Instrumentarien der Interpunktion und Annotation, und ii) Diagramme textueller Analyse, die hinsichtlich ihrer formalen Eigenschaften zu klassifizieren und unter Bezugnahme auf jüngere Ansätze der Diagrammatikforschung zu beschreiben sind. Hierbei ist auf das vorhandene Wissen zum Verhältnis von traditioneller und moderner Sprachwissenschaft zurückzugreifen und dessen Anwendbarkeit auf die chinesische Situation unter komparatistischen Kriterien zu erörtern.

Implikationen ergeben sich für die historischen Grundlagen chinesischer Erziehung, für die möglichen Parallelen in der visuellen Explizierung außersprachlichen und grammatischen Wissens, und nicht zuletzt für die Frage, welche Kriterien für Qualifizierung einer Sprachtheorie als solcher überhaupt anzulegen sind und inwieweit westliche Terminologie und Theoriegebäude hierfür geeignet sind.

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